Belastungslagen von Alleinerziehenden-, Stief- und Kernfamilien und Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten. Befunde aus zwei repräsentativen deutschen Studien
In: Das Gesundheitswesen: Sozialmedizin, Gesundheits-System-Forschung, public health, öffentlicher Gesundheitsdienst, medizinischer Dienst, Band 85, Heft 11, S. 975-981
Abstract
Zusammenfassung
Ziel der Studie Die vorliegende Studie untersucht Belastungslagen von
Alleinerziehenden, Stief- und Kernfamilien mit jungen Kindern sowie die Nutzung
von universellen, selektiven und indizierten Unterstützungsangeboten in
den unterschiedlichen Familienformen.
Methodik Anhand von zwei repräsentativen
Bevölkerungsstudien mit Müttern von Kindern zwischen 0–3
Jahren (KiD 0–3 2015; N=6,617 und AID:A 2019, N=1,501)
aus Deutschland werden von den Müttern eingeschätzte Belastungen
sowie die Nutzung verschiedener Präventionsangebote deskriptiv und mit
Chi²-Tests untersucht.
Ergebnisse Insgesamt zeigen sich bei Alleinerziehenden und teilweise auch
bei Stieffamilien vermehrte sozioökonomische Belastungen (z. B.
höheres Armutsrisiko). Insbesondere universelle
Präventionsangebote (z. B. Geburtsvorbereitung,
Eltern-Kind-Gruppen) werden seltener von Alleinerziehenden genutzt,
während selektive und indizierte Angebote, wie Familien- oder
Erziehungsberatung und Angebote des Jugendamts, häufiger von ihnen
genutzt werden.
Schlussfolgerung Vermehrte Belastungsmerkmale lassen einen höheren
Hilfebedarf bei Alleinerziehenden im Vergleich zu Kernfamilien vermuten.
Universelle Gruppenangebote werden scheinbar nicht dazu genutzt, diesen
Hilfebedarf zu decken, während selektive individuelle Beratungsangebote,
wie Schwangerschafts- und Erziehungsberatung, im Verhältnis von
Alleinerziehenden und Stieffamilien häufiger in Anspruch genommen
werden. Auf Alleinerziehende zugeschnittene (Gruppen-)Angebote –
insbesondere in der frühen Entwicklungsphase des Kindes –
könnten unterstützen.
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